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Projekt: Bau einer Betonsäule für mein Teleskop

Da ich mein Hobby hauptsächlich im heimischen Garten ausübe, bietet sich eine feste Betonsäule für mein Teleskop an. Auf dieser Seite werde ich Planung und Durchführung beschreiben und dokumentieren.

Material und Kosten

1 Betonsäulenadapter229,00 Euro
   +Versandkosten 5,40 Euro
19 Säcke Gartenbau-Beton
(30 kg pro Sack)
132,81 Euro
1 Kanalrohr11,64 Euro
6 Stangen Torstahl (je 8mm / 2m) 17,44 Euro
2 Stangen Torstahl (je 6mm / 2m) 4,98 Euro
1 Armierungsgitter3,69 Euro
Drahtnoch vorhanden
Abstandhalter
(zerschlagener (Dach-) Ziegel, Steine oder ähnliches)
noch vorhanden
2 Rundhaken & Dübel (optional)3,99 Euro
1 Befestigungsschraube (optional)1,79 Euro
1 Abdeckhaube (optional)14,99 Euro
(bisherige) Summe:425,73 Euro

Wer eine Steckdose oder eine Ablageplatte oder ähnliches an der Säule anbringen möchte, benötigt natürlich noch weiteres Material.

15.07.2016
Der Betonsäulenadapter

Das wichtigste Stück und der teuerste Einzelposten ist der Betonsäulenadapter. Dieses ist ein äußerst stabil gearbeitetes Teil, das in den Beton eingegossen wird und als Grundplatte für die Teleskopmontierung dient. Daher muss der Adapter passend zur Montierung gekauft werden. Und hier beginnt die erste Entscheidung: Da der Adapter nachträglich nicht mehr ausgetauscht werden kann, muss ich darüber nachdenken, ob ich mir einen Modular aufgebauten Adapter hole, der so aufgebaut ist, dass er auch eine eventuelle spätere größere Montierung aufnehmen kann. Oder nehme ich einen preisgünstigeren Adapter, der nur für meine aktuelle Montierung ausgelegt ist? Ich habe mich für letzteres entschieden, da meine aktuelle Montierung noch lange nicht an ihren Grenzen angelangt ist und es relativ unwahrscheinlich ist, dass ich auf die nächste Größe - auch wegen der von Größe zu Größe stark steigenden Preise - umsteigen werde. Bei der Lichtverschmutzung in Großstadtnähe machen größere Geräte bei mir nicht mehr viel aus.

wackelnde Montierung
Die Montierung liegt nicht auf dem Säulenadapter auf
sondern wackelt am zu langen Zapfen.
Also habe ich mich für einen Adapter vom Teleskop-Service entschieden und ihn bestellt - Lieferzeit sollten 2-3 Wochen sein. Erst nach 6 Wochen ist dieser dann endlich angekommen. Und - noch viel schlimmer - meine Montierung wackelte auf dem Adapter! Nach einer kleinen Fehleranalyse stellte sich raus, dass der Betonsäulenadapter einen falschen und zu hohen Azimutzapfen hatte. Ärgerlich. Also eine Mail an den Lieferanten gesendet, und dieser hat mir versprochen, den richtigen Zapfen nach zu senden. Aktuell warte ich auf diesen bevor es weiter geht...
27.07.2016
...OK, der passende Azimutzapfen ist heute endlich eingetroffen. Seit der Bestellung sind 8 Wochen vergangen. Eigentlich hätte meine Betonsäule schon fertig sein können. Sehr ärgerlich. Von einem großen Fachhändler wie dem Teleskop-Service hätte ich doch erwartet, dass die angegebenen Lieferzeiten halbwegs eingehalten werden. Naja. Aber jetzt weiter mit dem Baumaterial.

Bauzubehör

Benötigt wird erst einmal ein zum Betonsäulenadapter passendes Kanalrohr - für mich eines mit 20 cm Durchmesser. Da ich nicht gerade groß bin, sollten oberirdisch nicht mehr als ca. 70cm herausragen. Ich habe ein Rohr mit 1,10m Länge gekauft, damit werden ca. 40 cm im Boden einbetoniert. Das sollte reichen. Eine Steckdose direkt an der Säule wäre zwar nett, aber darauf verzichte ich, ein einfaches Verlängerungskabel mit Steckdosenleiste reicht aus. Damit erspare ich mir einiges an Material und Arbeit, wie z.B. die Kabelverlegung durch den Garten. Zwei kleine Rundhaken zum Anhängen von Zubehör möchte ich ebenfalls an der Säule anbringen, also Rundhaken und Dübel. Dann einige Armierungsstangen (Torstahl) den ich nach Bedarf zurechtbiegen muss, daher nur mit einem Durchmesser von 8mm bzw. 6mm. Ein Armierungsgitter (1m x 2m), das dann zu einem Korb zurechtgebogen wird. Etwas Draht um das Gerüst zusammenzuhalten. Und natürlich der Beton. Die notwendigen Werkzeuge für die Bauarbeiten und praktische Hilfe bekomme ich von meinem Nachbarn. Ach, und die Befestigungsschraube, um die Montierung auf dem Betonsäulenadapter zu befestigen benötige ich ebenfalls noch. Eine M12-Schraube die bei meinem Betonsäulenadapter nicht Bestandteil war. Damit können die Bauarbeiten beginnen.

24.08.2016
Es geht los...

So, das Material liegt bereit und mein Bauhelfer hat auch Zeit. Zunächst werden vier der 8 mm Torstahlstangen hakenförmig gebogen. Eine weitere Stange wird in kleinere Stücke geteilt und zu kleinen Vierecken gebogen. Die zwei 6 mm- Stangen werden zu großen Kreisen gebogen. Das wird das Skelett der Betonsäule. Die zurechtgebogenen Stücke werden mit Draht zu einem Grundgerüst zusammengefügt. Ein korbförmig zurechtgebogenes Armierungsgitter unterstützt die Konstruktion. Bei der Konstruktion muss natürlich auf die geplanten Maße - auch wie tief der Adapter später in die Säule hineinreicht - geachtet werden.

gebogene Stahlstangen
Geformte Stahlstangen

Auch das Kanalrohr wird vorbereitet. Die gewünschte Höhe über dem Boden wird angezeichnet und im unteren Teil Löcher gebohrt durch die zwei aus 8mm Stahl zurechtgeschnittenen kurze Stangen kreuzförmig hindurchgesteckt werden können.

Loch
Loch im Garten
Nun wird gebuddelt. Ein zylindrisches Loch mit einem Durchmesser von ca. 60 cm und einer Tiefe von 80 cm.

Um das Loch herum wird mit Holzresten - ich benutze auch eine alte Europalette - ein stabiles Holzgerüst aufgebaut das später das Kanalrohr in Position halten soll. Eine Seite sollte noch zugänglich sein um mit dem Beton an das Loch zu kommen.

Stahlgerüst im Loch
Stahlgerüst im Loch
Jetzt wird der Beton angerührt. Erst nur einen Sack der als Bodensatz in das Loch gefüllt wird. Darin werden Scherben eines zerschlagenen Dachziegels (oder anderes geeignete Material) als Abstandhalter eingebettet und unser Stahlkonstrukt in das Loch gestellt. Hier muss gegebenenfalls wieder auf die ungefähre Ausrichtung geachtet werden - bei mir sollen die Stahlstangen höher ins Rohr reichen als die Tiefe des Adapters. Beides muss also grob gegeneinander verschoben sein damit der Adapter nicht an die Stangen kommt. Wieder wird Betonsack für Betonsack angerührt und das Loch langsam aufgefüllt - bis ungefähr die Höhe erreicht wird, an der das Kanalrohr anfängt.

Das Kanalrohr wird über die aus dem Loch ragenden Stahlstangen gebracht, die beiden kurzen Stahlstücke kreuzförmig in die entsprechenden Löcher geschoben und das Rohr mit Hilfe einer Wasserwaage senkrecht - bzw. die Oberfläche waagerecht - ausgerichtet und mit zusätzlichen Holzstücken in der gewünschten Position fixiert. Nun kann das Fundament aufgefüllt werden, dabei auch immer wieder etwas Beton in das Kanalrohr schütten um grob ein gleichmäßiges Höhenniveau von Beton außen und innen zu halten. Dabei immer wieder die Ausrichtung des Kanalrohrs kontrollieren und gegebenenfalls etwas korrigieren - falls unsere Stützkonstruktion doch etwas verrutschen oder nachgeben sollte.

Ausrichten des Säulenadapters
Ausrichten des Säulenadapters mit Hilfe der Sonne
Ist der Beton ausreichend angezogen, also das Kanalrohr fest genug, kann der Adapter ausgerichtet werden. Im Netz findet man Konstruktionen mit Kompass, Plexiglasscheibe und ähnliches. Ich bin zu diesem Zweck anders vorgegangen: Zuerst habe ich den Adapter aufgesetzt und waagerecht ausgerichtet. Mit einem GPS-Empfänger habe ich (natürlich schon vorher) die Position meines Gartens ermittelt (auch Google Earth gibt Positionen auf den Karten genau genug an, so dass man nur seinen Standort auf der Karte sucht und die Koordinaten einfach ablesen kann) und diese dann als Standort im Programm Stellarium (oder einer anderen entsprechenden Software) eingegeben. Dann habe ich die Zeit im Programm vorlaufen lassen, bis die Sonne genau auf dem Südmeridian - also exakt im Süden - steht. Jetzt warten wir nur bis zu diesem Zeitpunkt und stellen einen Nagel, eine Schraube oder sonst einen Stift auf den Adapter und richten den Adapter so aus, dass der Schatten an dem ermittelten Zeitpunkt mittig über den Drehpunkt des Adapters fällt und genau auf den Azimutzapfen zeigt. Damit befindet sich der Azimutzapfen in Nordrichtung. Eine - wie ich finde - einfache und sehr genaue Methode. Jetzt mit einem Filzstift oder Edding die Position mit einem kleinen Strich auf Adapter und Kanalrohr anzeichnen, und fertig ist die Ausrichtung.

Jetzt das Rohr mit etwas flüssiger angerührtem Beton auffüllen, den Adapter darin versenken und nach den Markierungen ausrichten. Damit sind wir praktisch fertig.

Warten bis der Beton abbindet
Warten bis der Beton fest ist...
Einen Tag später habe ich die Holzkonstruktion entfernt und warte auf das Abbinden vom Beton. Mindestens eine Woche - besser länger - sollte gewartet werden bevor die Säule mit Montierung und Teleskop belastet wird. Auch seitliche Bohrungen für die geplanten Haken werden erst angebracht, wenn der Beton ausgehärtet ist.

09.09.2016
Der Beton ist mittlerweile felsenfest, also habe ich das Rohr außen von Betonspritzern und Staub gereinigt, die Adapterplatte noch einmal feinjustiert und probeweise meine Montierung aufgesetzt. Da trat erneut ein unerwartetes Problem auf: wieder saß meine Monierung nicht richtig auf der Adapterplatte auf. Das Problem diesmal war die Befestigungsschraube. Dabei hatte ich extra bei TS-Shop nachgefragt und die folgende kurze Antwort erhalten (Zitat): "eine Befestigungsschraube ist nicht dabei, da brauchen Sie eine M12 aus dem Baumarkt." Mehr nicht. Und was soll ich sagen? Das stimmt so natürlich nicht! Die Adapterplatte hat ein Gewinde und die Montierung ebenfalls. Wenn beide Gewinde über eine einfache Gewindeschraube gegeneinander verschoben werden (die Montierung wird auf der Adapterplatte ja zur Ausrichtung gedreht) verspannen sich die Gewinde gegeneinander. Ich muss also entweder die Gewindebohrung in der Adapterplatte herausbohren, oder ich brauche eine spezielle Teilgewindeschraube, bei der das Ende abgedreht ist. Diese bekommt man nicht so einfach im Baumarkt und auch im Internet ist solch eine spezielle Schraube nicht leicht zu finden.
Nachdem ich in einem Astoforum mein Leid geklagt hatte, hat sich Jemand von JD-Astronomie bei mir gemeldet, und mir angeboten, eine Schraube nach meinen Angaben zu drehen. Super! Gleichzeitig habe ich festgestellt, dass ich bei JD-Astronomie einen Säulenadapter mit passender Gewindeschraube sogar günstiger (und schneller) hätte haben können. Hätte ich doch nur vorher richtig nachgeguckt...

15.09.2016
Die Schraube ist da, eine exakt passende M12 Teilgewindeschraube mit abgedrehtem Ende und einem Sternengriff. Passt perfekt, nun sitzt meine Montierung richtig. Nach den ganzen Problemen ist es endlich geschafft, meine Betonsäule ist einsatzbereit.

Abdeckhaube
Wetterfeste Abdeckhaube
Vielleicht werde ich das Rohr zur optischen Verschönerung noch anstreichen. Eine Gartengrill-Abdeckhaube schützt den Säulenkopf vor Wetter und Insekten. Ich habe eine Haube gekauft, die auch über meine Montierung passt, so dass ich diese saisonweise auch mal draußen lassen kann, allerdings möchte ich es wegen Wetter, Schmutz und Insekten nicht dauerhaft draußen lassen. Jetzt warte ich nur noch auf klaren Himmel für den Einsatz.


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